In unserer westlichen Gesellschaft wird sehr viel Wert auf Aussehen, Sport, gesunde Ernährung und Erscheinungsbild gelegt. Die Zahl auf der Waage spielt für uns Menschen (vor allem für Frauen) eine große Rolle heutzutage. Man möchte einem Schönheitsideal entsprechen.
Aber wieviel Gewicht hat das Gewicht tatsächlich in unserem Leben? Wir präsentieren einen Gastartikel von Kinder- und Jugendpsychologin Mag. Anna Kurz.
Menschen haben die Vorstellung, WENN…
„ich nur etwas schlanker wäre..“
„ich nur besser auf meine Figur und meine Kalorienzufuhr achten würde“
„ich mich nur nicht immer so vollstopfen würde“
und, und, und...
… DANN
„würde ich mich besser fühlen“
„würde ich mich mehr mögen“
„würden mir viele Dinge im Leben leichter fallen“
In unserer Vorstellung sind das Aussehen und das Körpergewicht eng gekoppelt mit positivem psychischen, und emotionalen Wohlbefinden. Und wir Menschen haben die Vorstellung, dass sich mit einer Veränderung am Äußeren (zB. Das Gewicht) der Grund für das psychische Unwohlsein verliert. Und dies ist oftmals die Eintrittskarte zu problematischem Essverhalten.
Entstehung einer Essstörung und die unterschiedlichen Formen
Eine Essstörung ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung die einen hohen Leidensdruck im Alltag nach sich zieht. Meist entsteht sie schleichend und entwickelt sich zu einem ständigen gedanklichen Begleiter im Lebensalltag.
Kalorienzählen
Das gestörte Essverhalten entwickelt sich nach und nach. Aus einem körperlichen und emotionalen Unwohlsein heraus fokussiert man sich auf eine gesunde Ernährung. Prinzipiell ist eine bewusste Ernährung ja positiv. Aber nur solange nicht die rasche Gewichtsreduktion im Mittelpunkt steht. Ab einer gewissen Zeit jedoch entwickelt sich ein zwanghaftes Kontrollbedürfnis, was den Umgang mit Kalorien und Lebensmitteln angeht. Jede Mahlzeit erzeugt dann ungemein viel Stress und schränkt im Alltag zunehmend ein. Essenssituationen werden zu schwierigen und schambehafteten Erlebnissen.
Erfolg vs. Misserfolg
„Ob ich mich wohl und gut fühle, ist davon abhängig ob ich (diszipliniert) gegessen habe ODER nicht“…. Erfolge und auch Misserfolge werden daran gemessen, ob man sich diszipliniert an einen sich selbst gesetzten (meist reduzierten) Kalorienplan und Essensrhythmus gehalten hat oder nicht. Es entsteht ein Gefühl von Erfolg und Bestätigung, oder bei Nichteinhaltung das Gefühl von Misserfolg und Selbstabwertung.
Ersichtlich wird, dass es bald nicht mehr darum geht sein eigenes Ernährungsverhalten gesünder zu gestalten. Es kann eine Abwärtsspirale hinsichtlich Kontrolle und rigidem Essverhalten entstehen. Körperliche Kontrolle wird gekoppelt mit dem emotionalen und psychischen Wohlbefinden beziehungsweise Erfolgsgefühl.
Die Essstörung beginnt den Lebensalltag zu kontrollieren. Mit der Zeit zeigt sich, dass das Gefühl der Kontrolle nur eine Illusion ist. Das Resultat: das eigene Wohlbefinden wird an „Essen vs Nicht essen“ gemessen.
Formen der Essstörung
Die häufigsten Formen der Essstörungen sind:
1. Magersucht (Anorexia Nervosa)
Erkennbar macht sich die Magersucht in erster Linie durch massives Untergewicht (Body Mass Index unter 17,5). Personen mit Magersucht scheinen in der Regel sehr diszipliniert, leistungsstark und leistungsorientiert und regulieren das Gewicht durch „Nicht- Essen“ und exzessive Bewegung.
Dies sind erste Erkennungsmerkmale im Außen. Magersucht ist eine schwerwiegende Erkrankung die einhergeht mit einem sehr hohen Leidensdruck der Menschen, einem allgemeinen Unwohlsein und vielen Ängsten. Die Personen leiden an sehr intensiven inneren Konflikten, hoher innerer Anspannung, Stress und Zwängen, welche ihren Lebensalltag schwer beeinflussen.
2. Ess- Brechsucht (Bulimia Nervosa)
Menschen mit Ess- Brechsucht haben in der Regel Normalgewicht. Diese Erkrankung zeichnet sich aus durch unkontrollierbare Essanfälle und anschließendes Erbrechen. Der/die Betroffene beschäftigt sich sehr viel mit Essen und Nicht Essen. Das häufige Auslassen von Mahlzeiten und nicht adäquater Ernährung versetzt Menschen mit Bulimie in einen massiven Hungerzustand. Das löst unkontrollierte Essanfälle mit hoher Kalorienzufuhr aus. Um dieser Kalorienzufuhr entgegenzuwirken und um das einhergehende „schlechte Gewissen“ zu beruhigen wird mit Erbrechen reguliert. Auch diese Erkrankung geht einher mit Ängsten und depressiver Verstimmung sowie einem hohen Stresslevel und innerer Anspannung.
3. Esssucht (Binge Eating Störung)
Die Esssucht ist auch charakterisiert durch unkontrollierbare Essanfälle, jedoch OHNE Maßnahmen um das Gewicht zu regulieren. Menschen, welche an dieser Erkrankung leiden, sind häufig übergewichtig.
Auch hier entsteht wieder ein sehr hoher Leidensdruck. Ein Leben mit dieser Erkrankung ist verbunden mit innerer Ablehnung, Selbstabwertung und einem geringen Selbstwert. Auch Depressionen und Ängste können Menschen mit Esssucht begleiten.
Zusatz
Da alle Essstörungen gekoppelt sind mit Themen wie Selbstakzeptanz, Selbstwert, Selbstbewusstsein, geringer Selbstfürsorge, emotionaler Vernachlässigung, depressiver Verstimmung, Ängsten und Zwängen, kann auch selbstverletzendes Verhalten (z.B. sich selbst zum Abbau der inneren Anspannung ritzen, schneiden, verbrennen, kratzen, schlagen, uvm..) in unterschiedlichster Form ein Thema sein. Sollten Sie Probleme in diesen Bereichen haben, empfehle ich eine Kontaktaufnahme bezüglich psychologischer Behandlung/Beratung.
Was tun?! Behandlung von Essstörungen
Sollten Sie sich durch diese Zeilen angesprochen fühlen, wenden Sie sich bitte an eine/n MedizinerIn/DiätologIn (spezialisiert auf den Bereich Essstörungen) oder PsychologIn/TherapeutIn Ihres Vertrauens.
Diese oben genannten Professionen sind darin geschult Sie dabei zu begleiten der Problematik auf den Grund zu gehen.
Wichtig hierbei ist eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen Disziplinen um umfangreich und lückenlos bei der Behandlung dieser Erkrankung Hilfestellung leisten zu können.
Als Klinische – und Gesundheitspsychologin ist mir in der Behandlung von Essstörungen eine enge Zusammenarbeit mit ErnährungsexpertInnen und Medizinern ein Anliegen, um den/die Betroffene/n möglichst gut in Richtung Gesundung begleiten zu können.
Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, können Sie sich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch bei mir oder den Essperten melden
Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Anna Kurz
Klinische- und Gesundheitspsychologin
(Kinder- Jugend- und Familienpsychologin)
Praxisgemeinschaft Carpe Diem
Harrachstraße 28
4020 Linz
Kontakt: praxis.annakurz@gmail.com oder telefonisch: 0660 68 67 57 9
Mehr Infos finden Sie auf www.praxis-annakurz.com